Das Kalb von heute ist die Milchkuh von morgen
Lehrfahrt zu modernen Kälberställen

Personengruppe besichtigt Kälberstall

Oftmals werden Kälber in umgebauten Altgebäuden gehalten, die zwar solide sind, aber bei Licht, Luft und Arbeitskomfort an ihre Grenzen stoßen. Dass es auch anders geht, zeigte im Mai 2026 eine Lehrfahrt des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Töging. 23 interessierte Landwirtinnen und Landwirte besuchten drei Betriebe, die beim Stallbau neue Wege gehen.

Gemeinsame Unterbringung fördert Sozialverhalten und Futteraufnahme

Das Ziel: Die Kälberaufzucht fit für die Zukunft zu machen – mit dem sogenannten „Hol-stein-System“. Ein Hauptproblem in alten Stallungen ist oft das Klima. Zu hohe Luftfeuch-tigkeit und ein zu geringer Luftwechsel begünstigen Krankheiten bei den jungen Tieren. Die besichtigten Neubauten setzen hier auf moderne Technik: Schlauchlüftungen und flexible Windschutzsysteme sorgen für ein gesundes Stallklima. Ein interessanter Aspekt der Lehrfahrt waren die Haltungssysteme der Kälber in den ersten Lebenswochen. Die Betriebe setzen auf modulare Boxensysteme von verschiedenen Herstellern, bei denen sich Trennwände flexibel entfernen lassen. Dadurch kann die Haltung je nach Bedarf von Einzel- auf Gruppenhaltung umgestellt werden. Das hat handfeste Vorteile: Die gemeinsame Unterbringung fördert nicht nur das Sozialverhalten, sondern durch den Futterneid auch die Futteraufnahme. Das wirkt sich positiv auf das Wachstum und die Entwicklung der Kälber aus. Spielmöglichkeiten und Bürsten im Stall sorgen zusätzlich für Beschäftigung und wirken Unarten wie dem gegenseitige Besaugen entgegen.

Tierwohl und Arbeitserleichterung

Personengruppe besichtigt Kälberstall
Neben dem Tierwohl stand die Arbeitserleichterung im Mittelpunkt. Das „Holstein-System“ zeichnet sich durch zwei Entmistungsachsen aus. Das bedeutet in der Praxis: Dank schwenkbarer Tore kann eine einzige Person die Kälber sicher umtreiben und den Stall reinigen, ohne die Tiere mühsam fixieren zu müssen. Das spart Zeit und verhindert Stress – bei Landwirtin bzw. Landwirt und Kalb gleichermaßen.

Ein moderner Kälberstall ist kein Luxus

Am Ende des Tages waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Lehrfahrt einig: Ein moderner Kälberstall ist kein Luxus, sondern eine Investition in die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der späteren Milchkühe. „Wir haben viele praxisnahe Anregungen erhalten, die sich sowohl im Neubau als auch bei der täglichen Arbeit umsetzen lassen“, so der Tenor der Gruppe. Ein besonderer Dank gilt den beteiligten Betrieben, die sich bereitwillig für die Besichtigung zur Verfügung gestellt und einen wertvollen fachlichen Austausch er-möglicht haben.